Donnerstag, 11. September 2014

[Veranstaltung] Oder wir brennen das Land nieder!

Leben und Überleben in Syrien

Bilder & Berichte des Fotografen Timo Vogt

Mittwoch, 24. September 2014 
im Kulturbahnhof in Hitzacker
http://kuba-ev.de/


 Interkulturelle Woche im KUBA

Dienstag, 8. Juli 2014

[Tearsheet] Welternährung 02/2014

3 images from Deir az-Zor & Idlib, Syria at Welternährung, Zeitung der Welthungerhilfe, 02/2014


Freitag, 4. April 2014

.Zum Tod von Anja Niedringhaus.

Zwanzig Jahre lang hat Anja Niedringhaus in verschiedenen Kriegen fotografiert. In einer afghanischen Polizeistation starb sie an einem Ort, an dem sie sich vermutlich relativ sicher gefühlt hat. Gleichzeitig wird sie als erfahrere Fotografin gewusst haben, dass der Tod überall böse Überaschungen für uns Journalisten bereit hält, wenn wir uns in Länder mit bewaffneten Konflikten begeben. Das Sterben ist Teil dieses Berufs. Wir alle müssen uns mit diesem Risiko auseinandersetzen. Und eines müssen wir uns klar machen: Viele Konflikte werden mittlerweile in einer Art und Weise geführt, in der Journalisten nicht mehr nur als Beobachter entweder willkommen oder verhasst sind. Die Propaganda der Akteure ist in der Medienwelt von heute wichtiger denn je. Sie ist entscheidender Teil der Kriegsführung. An sich ist das nicht neu. Doch in Zeiten der elektronischen Echtzeitberichterstattung begegnen wir vermahrt kriegsführenden Akteuren, die uns nicht mehr missbrauchen wollen für Ihre Propaganda. Einst gab es noch das gesteigerte Interesse uns Journalisten in diese Armee oder jene Rebellengruppe einzuladen, die zu begleiten. Die Akteure wollten sich Gehör verschaffen und nutzten uns Journalisten dafür. Unsere Aufgabe war es dabei sich der Wahrheit anzunähern, Informationen zu sammeln und auf Plausibilität zu prüfen. Diese Zeiten sind vorbei. Wir werden dafür nicht mehr gebraucht. Aufmerksamkeit verschaffen sich die Kriegsparteien selbst. Für sie sind wir zu Störern ihrer Abläufe und zu einem Feindbild geworden. Erinnert sei dabei beispielhaft an das Massaker an 32 Journalisten 2009 auf den Philippinen.

Anjas Tod passt leider in dieses Bild. Wir Berichterstatter sind zum Abschuß freigeben. In Afghanistan, in Syrien. Von der Krim werden wir abgeschottet, in Kiew auch mal einfach totgeschlagen. In immer mehr Armeen der Welt unterliegen wir Zensurmaßnahmen. Wir bewegen uns in einem Labyrinth absurder Regeln, in Kriegen ohne Frontverläufe und uns werden Knüppel zwischen die Beine geworfen, wo es nur geht. Wir werden entführt, um politische Forderungen oder Lösegeld zu erpressen. Wir werden getötet, weil wir lästig sind. Wir sterben selten als Kollateralschaden. Wir werden getötet - ganz bewusst als Mittel der Kriegsführung. Das ist die neue Dimension mit der wir umzugehen haben. Eine erfahrene Kollegin wie Anja wusste das und durchlief während ihrer langjährigen Arbeit in Kriegsgebieten diese Entwicklung. Nun steht auch sie in der langen Liste der ermordeten Journalisten.

Doch wie reagiert die Medienwelt auf diese Entwicklung? Die meisten Redaktionen schicken lieber keine Reporter mehr in Kriegsgebiete. Zu gefährlich, zu teuer und wer bitteschön soll am Ende die Verantwortung tragen, wenn etwas schief geht? Damit ist man fein raus und man darf kostengünstig und ungeniert zugreifen, wenn freie Kollegen ihre selbstfinanzierten Stories aus den Kriegen der Welt anbieten. Die sind ja offensichtlich heile zurück, also darf man auch ohne Gewissensbisse zugreifen. Dabei wird die Freiheit der Presse hochgejubelt und von den Kriegsakteuren eingefordert. Aber es bleibt oft hohle Phrase, weil die freien Kollegen vor Ort eigentlich keine Unterstützung von den Medienhäusern erfahren.

Die Realität auf den Schlachtfeldern ist, dass immer mehr junge Journalisten und Journalistinnen ohne nennenswerte Kenntnisse in Kriege ziehen. Es ist einfach geworden. Die digitalen Arbeitsgeräte sind preisgünstig und mobil. Internetverbindungen gibt es mittlerweile selbst an verwüsteten Orten der Welt. Flüge sind auch bezahlbar. Und vielleicht winkt ja der Beginn einer großen Karriere? Mit dem Mut der Unwissenheit rutschen nicht wenige von ihnen hochmotiviert in unbeherrschbare Situationen. Wenn die ersten Schüsse fallen, wird ihnen bewusst, dass es im Kriegsgebiet kein Netz und doppelten Boden gibt. Die Mehrheit geht mit ehrenwerter Haltung hinein. Sie wollen zu Augenzeugen der Geschichte werden und darüber berichten.

Wer Kriegsberichterstatter werden will, den kann und sollte man nicht aufhalten. Doch muss die Branche endlich verstehen, dass sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Es wird nicht Vormittags das Edelhotel für eine Kriegstour verlassen, um abends von den Schönen umgeben am Pool ein paar Whiskey zu kippen. Viele Kriege von heute fordern von uns, sich durch umkämpfte Gebiete ohne Frontverläufe zu bewegen. Immer mehr Akteure sind uns äusserst feindlich gesinnt. Von ihnen aufgegriffen zu werden kann Folter und Tod bedeuten. Vielleicht auf der Stelle, vielleicht erst nach monatelangem Märtyrium in irgendeinem Kerker. Wir müssen uns im Fall von Verletzungen auf uns selbst verlassen können. Wir brauchen Fitness, gute Orientierung, Lebenserfahrung und Survivalkenntnisse - inhaltliche Vorbereitung sowieso. All das lässt sich lernen und tatsächlich lernt es sich am schnellsten vor Ort. Doch genau da liegt das Problem. Fehler sind dort bisweilen tödlich. Und dieser Tod kommt nicht so pathetisch und wohlinszeniert daher, wie im Breitbildformat der Kriegsfilme. Es tut richtig weh, es fließt Blut und man bleibt tot. Möglicherweise wird man irgendwo an einem unbekannten Ort verscharrt - für immer.

Wir müssen uns auch weiterhin Kriegsberichterstatter leisten. Und zukünftig werden das überwiegend Freelancer sein, die unabhängig arbeiten müssen, mit allen Risiken und für wenig Honorar. Wenn sie aber gut ausgebildet und mit ihrer Ausrüstung vertraut sind, dann haben sie gute Voraussetzungen erfolgreich aus Kriegen zu berichten und zu überleben. Doch eine für die meisten finanziell klammen freien Journalisten bezahlbare Infrastruktur besteht nur auf kleinem Niveau. Das muss sich dringend ändern. In verschiedenen Initiativen beginnen sich diese Freelancer nun mehr und mehr zu organisieren. Sie bauen sich die nötige Infrastruktur selbst auf. Das ist gut! Aber es braucht die Kompetenz und das Geld von Organisationen und Verlagshäusern oder Medienanstalten, um langfristig gute Leute auszubilden. Das wäre im Interesse aller.

Anja hilft das nicht mehr. Sie war sehr erfahren, hatte eine große Agentur im Hintergrund. Es hat ihr leider nicht das Leben retten können. Das ist die unerbittliche Realität, der sich alle Kolleginnnen und Kollegen bewusst sein sollten, wollen sie aus Kriegen berichten.


.RIP Anja.

Weiterführende Links:

Committee to Protect Journalists
Journalist Security Guide 
Frontline Freelance Register (FFR)
RISC Trraining
Conflict Photography Workshops
International News Safety Institute